Was sind kooperative Geschäftsmodelle?

Kooperative Geschäftsmodelle, auch „Coopetition“ genannt, werden gerne als etwas Neues beschrieben, das vor allem in globalisierten, sich schnell verändernden Märkten notwendig ist. Tatsächlich sind kooperative Geschäftsmodelle aus globaler und historischer Perspektive aber ein alter Hut.

Kooperative Geschäftsmodelle können in den verschiedensten Formen auftreten, weshalb sie in der Literatur gerne unter dem Begriff „Coopetition“ gesammelt werden, da dieser Begriff zwei wesentliche Bestandteile der unternehmensübergreifenden Kooperation zusammenfasst: Kooperation und Competition (Wettbewerb). Unternehmen, die potenziell miteinander kooperieren können, sind oft auch potenzielle Wettbewerber. Dabei müssen sich Kooperation und Wettbewerb nicht gegenseitig ausschließen. Die Coopetition zwischen mehreren Unternehmen ist vielmehr eine logische Konsequenz aus den sich immer schneller verändernden Wertschöpfungsketten, da besonders KMU oft kongruente Ziele haben. Dazu gehören Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsbedarf.

Es gibt für jede Kooperation verschiedene Entwicklungspfade bzw. Denkansätze:

  1. Synergetische Kooperation: Der Mehrwert für alle Parteien entsteht nur durch die Kooperation selbst.
  2. Additive Kooperation: Effizienzsteigerung durch Ressourcenbündelung.
  3. Vertikale Kooperation: Die beteiligten Unternehmen sind aus der gleichen Branche und in der Wertschöpfungskette aufeinanderfolgend.
  4. Laterale Kooperation: Die Unternehmen kommen aus verschiedenen Branchen und entwickeln durch ihre Kooperation einen neuen Kundennutzen.
  5. Horizontale Kooperation: Unternehmen befinden sich auf der gleichen Wertschöpfungsebene und bündeln ihre Stärken z.B. im Bereich Forschung und Entwicklung.

Zudem kann im Kontext von Kooperationen zwischen radikaler und interkrementeller Innovation unterschieden werden: Bei der radikalen Innovation wird durch die Kooperation ein komplett neues Geschäftsmodell geschaffen. Ein Beispiel dafür ist die Mobilitätsplattform Uber. Die interkrementelle Version bezeichnet eine Anpassung bereits vorhandener Geschäftsmodelle. So hat der zunächst analoge Kataloghandel OTTO sein Geschäftsmodell digitalisiert und blieb so wettbewerbsfähig.
Grundsätzlich funktioniert jede unternehmensübergreifende Kooperation unterschiedlich abhängig u.a. von der Branche, den Zielen und nicht zuletzt den Individuen, die jedes Unternehmen ausmachen. Oliver Gassmann und seine Kolleginnen haben in ihrem Standardwerk von 2013 „Geschäftsmodelle entwickeln“ 55 Modelle beschrieben, von denen einige auch für Überlegungen einer Kooperation hilfreich sind, dazu gehören:

  1. Affiliation: Dritte werden für das Anwerben neuer Kundschaft entlohnt. Das Prinzip dahinter ist, dass der Erfolg des Partners der eigene Erfolg ist. Ein Paradebeispiel dafür ist der bekannte „bei Amazon kaufen-Button“.
  2. Schichtenspezialist: Das Unternehmen hat hauptsächlich ganz bestimmte Nischenlösungen, die aber von verschiedenen Industrien benötigt werden, wodurch sich Partnerschaften bilden lassen.
  3. Make More of It: Kompetenzen werden multipliziert und nach außen vermarktet.
  4. Open Business Modell: Externe Akteure werden aktiv mit einbezogen, um ihre Ressourcen miteinzubringen.
  5. Orchestrator: Aktivitäten und Kompetenzen außerhalb der eigentlichen Kernkompetenzen werden an spezialisierte Dienstleister übergeben.

Diese fünf Modelle sind für sich genommen nicht alle automatisch ein kooperatives Modell, sind aber oft Bestandteile einer unternehmensübergreifenden Kooperation. Was fast alle Denkansätze
und Modelle miteinander verbindet, sind ähnliche Interessen der verschiedenen Akteure, die sich grob in vier Indikatoren zusammenfassen lassen: Wettbewerbsfähigkeit, Profitsteigerung, Innovationswille und Erweiterung des Portfolios. Zusammenfassend zeichnen sich folgende Grundprinzipien für ein erfolgreiches kooperatives Geschäftsmodell ab: Zunächst ist der Kooperationswille und ähnliche Ziele aller Parteien eine Voraussetzung für den Erfolg einer Kooperation. Dazu gehört auch der Aufbau informeller Beziehungen zwischen den Individuen, die die jeweiligen Unternehmen vertreten. Zudem muss eine „kritische Masse“ sowohl in der Quantität der Partner als auch bei der Qualität des Endproduktes gewährleistet sein und je nach Größe des gemeinsamen Projektes ist ein gemeinsames Management speziell für die Kooperation notwendig. Die Durchgängigkeit von IT-Systemen bzw. -Schnittstellen wird zudem immer entscheidender für eine effiziente Kooperation.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem „Leitfaden kooperative Geschäftsmodelle – Theorie und Praxis„.

Text: Dr. Geraldine Schmitz

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